Der ganz normale Wahnsinn

Nakampfmitmitmirselbst

Und dann sitz ich hier und warte auf den Moment, in dem ich endlich ehrlich sein kann mit mir selbst, und einfach schreiben. Was habe ich schließlich zu verlieren?

Dann schreibe ich so ein Paar Zeilen und denke mir in diesen Sekunden der manischen Euphorie, ja das ist es, das ist genial, es geht wieder, schau es geht noch, man muss nur anfangen, das ist das Schwierigste. Nur sitze ich letztendlich vor einem halbgaren Worddokument und beobachte den blinkenden Cursor, bevor ich die Taste zum Löschen betätige. Aber der erste Satz ist doch so vielversprechend, wie kann es sein, dass ich nicht weitermachen kann? Das utopische Potential von unvollendeten Ideen. Schreiben, das ist doch das, was immer funktioniert hat? Jetzt nur wieder dieses Bild eines leeren Eimers, den ich verzweifelt versuche auszuschütten.

Es ist, als würde ich rennen wollen, mit blutig aufgeschlagenen Fäusten, und mich da die ganze Zeit jemand an der Stirn halten, sodass ich nicht weiter kann. Da bin ich, im Ring mit mir selbst, ich, in einer etwas hässlicheren, traurigeren Version, der ich mich nicht traue, ins Gesicht zu schlagen. Denn es hält mich da niemand zurück und ich kann es trotzdem nicht. Dann denke ich mir manchmal, dass es wohl so sein muss, dass wir bei manchen Dinge einfach mit dem verdammten Schicksal leben müssen, sie niemals wirklich ausdrücken zu können. Und vielleicht ist dieses Schicksal auch deshalb das unsere, weil wir zu viel fühlen und es zu wenig Ventile gibt.
Viel fühlen aber zu wenig sein.
Ich kenne keine Grauzonen. Da ist immer nur Manie oder pure Langeweile.

Was es einfach nur unglaublich schwer macht.

Wieso habe ich das Gefühl mich würde etwas zurückhalten? Oder haben wir das alle?
Das Gefühl, dass da immer etwas ist, das uns davon abhält, das Leben zu führen, das wir uns in den Minuten vor dem Einschlafen vorstellen?

Ich glaube ja diesen ganzen Kram, dass wir an den schlechten Zeiten wachsen, und all dieses Blabla von wegen jede Erfahrung zählt and what doesn't kill you makes you stronger, aber fuck, wann kommen wieder die Tage, an denen ich mich fühlen kann als würde ich über eine verdammte Blumenwiese rennen mit wehendem Haar und flauschig schönen Gedanken?
Ich warte wirklich nur noch auf den Moment, in dem ich es in diesem Zimmer nicht mehr aushalte und es komplett zerlege. Den Reiz von völligem Kontrollverlust habe ich schon immer verstanden.

Ich danke hiermit allen, die mir schon liebevoll die Schulter getätschelt und dann gesagt haben, "Es kommen wieder bessere Zeiten.". Ihr werdet sicherlich einen ganz besonderen Platz in der Hölle bekommen.

22.8.15 10:53

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(27.12.15 11:57)
hm, vielleicht kommen ja gar keine besseren zeiten. wir tun immer so, als wäre das schon der lauf der dinge, weil ebbe und flut sich ja auch abwechseln. aber vielleicht wächst man eben nur auf dieser blumenwiese auf und dann geht es eben weiter. und vielleicht müssen wir den samen für die blumen auch erst wieder setzen.