Der ganz normale Wahnsinn

Treibsand

Ich laufe durch den Treibsand. Laufe durch die Unsicherheit, die den Boden unter meinen Füßen verwässert. Die scharfe Sicht der nahen Zukunft, mit dir zusammen plötzlich verschwunden. Geblieben nur die müden Beine und ein viel zu schwerer Kopf. Zwei dicke Füße tragen mich die nächsten Meter, wackelig, ich trage mich die nächsten Tage und hoffe nur, ich falle nicht. Weiß, dass ich eine Zukunft auch alleine habe, doch ändert’s nichts. Sobald das Herz verliert, was zählt, wiegt’s erstmal auf. Ein Loch, so schwer wie jedes Gramm von dir und jeder Meter, den ich’s mit mir trage, ohja, er zerrt an mir.

Denk wieder einmal drüber nach, wie Leben wär, so ohne Träume, Pläne, Wünsche. Und sag mir doch „Scheiss drauf, das war es wert.“, doch übertönen kann ich’s gerade nicht. Im Hinterkopf, da bleibt’s: ein viel zu lautes DU-Konzert. Wir waren einst sehr nah an dem, von dem ich dacht, das ist, was wirklich lange bleibt. Hätt’ nicht gedacht, dass ich’s verpass, dass ich nicht mitkriegt, was geschieht. Es ändert nichts, gibt einer auf, dann ist’s vorbei, ein altbekanntes Lied.

Also Atmen, tiefe Züge, Ausschau halten, trotz dieser nagenden Dunkelheit. Noch seh’ ich nur ein schwaches Licht, doch weiß ich auch, bald leuchtet’s wieder weit und breit. Es heißt, Erfahrung wäscht die Augen aus, hält Mensch nicht an den vielen alten Blicken fest. Fällt mir noch schwer, die Zukunft jetzt zu lieben. Nicht klar genug der Weg vor mir, es tanzt sich schwer inmitten all der Silhouetten. Doch ich lass trotzdem langsam los, stimm mutig ein in neue Lieder. Und seh ich noch so scheisse aus beim Tanzen, nur so, weiß ich, geht es voran, nur so weiß ich: Das wird schon wieder.

22.6.15 22:01

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